Vor 25 Jahren: Zugunglück in Horst


Foto: Die Lok vom Typ 218 127 nach dem Unfall. Der Zug fuhr mit ca. 120 km/h auf einen stehenden Zug auf. Die Lok wurde am 30. November 1995 ausgemustert. Vielen Dank an Werner Consten (railpix.de), der uns dieses Foto zur Verfügung stellte.


Horst Die Nacht vom 28.06.1995 auf den 29.06.1995 sollte eine recht kurze Nacht für den damaligen Horster Wehrführer Albert Ramm werden. Um 01:06 Uhr schlug sein Pieper Alarm. Parallel klingelte das Telefon. Seine Frau Bärbel ging ran und sagte fassungslos zu ihrem Ehemann "Eisenbahnunfall".

So schilderte uns Albert Ramm seine Erinnerungen über den wohl schwersten und längsten Einsatz der Horster Feuerwehr.

Was war geschehen? Gegen 0:46 Uhr ereignete sich auf der zweigleisigen Hauptstrecke Hamburg-Kiel in der Nähe des Horster Bahnhofs ein schweres Zugunglück. Ein Regionalzug aus Neumünster kommend fuhr mit einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h auf einen Güterzug auf. Der Güterzug stand im Bahnhof Horst vor einem Haltesignal und war im Begriff, langsam anzufahren.

Den Horster Rettungskräften, die bereits ab 01:14 Uhr an der Unfallstelle eintrafen, bot sich ein Bild der Verwüstung. Nach dem Aufbau eines Lichtmastes wurde das Chaos sichtbar: Ein Wagon lag halb auf der Seite, ein weiterer war scharf abgeknickt. Ein anderer war aus den Gleisen gesprungen und hatte ein starke Schräglage eingenommen. Er drohte umzukippen. Die 79 Tonnen schwere Diesellok vom Typ 218 hatte sich auf einen Autotransportwaggon geschoben und überragte in gut 4 Meter Höhe das gesamte Unfallgeschehen. Fingerdick ergoss sich ein Dieselstrahl aus dem Tank der Lok und überall verteilt lagen Blech- und Metallteile.

Wehrführer Ramm und seine Kameraden (insgesamt halfen 44 Horster Blauröcke mit) teilten die Unfallstelle in verschiedene Abschnitte ein.

"Ich erinnere mich noch wie heute daran wie schwer es war, sich in einem umgekippten Wagon zurecht zu finden", so Ramm, der mit seinen Rettungskräften eine schwerverletzte Frau aus dem Wagon befreite und unter erschwerten Bedingungen mit einem Rettungstuch abseilte.

Insgesamt waren ca. 23 Personen im Zug.


Albert Ramm mit dem Feuerwehr Jahrbuch 1995. In diesem ist unter der Nummer 12/95 das Zugunglück protokolliert.

"Zum Glück ereignete sich der Unfall nicht zur Feierabendzeit. Dann wären bestimmt um die 400 Personen im Zug gewesen", erklärte uns der damalige Feuerwehrchef.

Doch auch dieses "Glück im Unglück" verursachte 20 verletzte Personen. Vier davon wurden schwer verletzt. Darunter auch der Lokführer, der eingeklemmt wurde und mithilfe der Horster und Elmshorner Feuerwehr nach 70 Minuten befreit werden konnte.

Die Unfallstelle wurde von der Polizei und dem Bundesgrenzschutz abgeriegelt. So konnten alle Einsatzkräfte ungehindert arbeiten. Die Frauen der Horster Einsatzkräfte bereiteten belegte Brötchen vor und kochten Kaffee. So konnten gegen 5 Uhr morgens die Einsatzkräfte zwischendurch frühstücken. Das Mittagessen wurde vom THW übernommen.

"Der Einsatz dauerte über 24 Stunden und man hat so viel Adrenalin im Blut dann man gar nicht merkte, wie viel und lange man gearbeitet hat", so Einsatzleiter Ramm, der das Mitwirken aller beteiligten Wehren sehr lobte.

"Alles verlief geordnet und sachlich. So einen Unfall kann man zwar nicht simulieren oder sich darauf vorbereiten, aber das erlernte Wissen und die praktischen Übungen sind mehr als sinnvoll. Sie halfen, mit einer solchen Situation zurecht zu kommen", so der Horster.

Die BILD-Zeitung schrieb vor 25 Jahren, dass der Unfall durch einen Wärter ausgelöst wurde. Es wurde versehentlich ein Signal vertauscht.

Insgesamt beteiligen sich folgende Kräfte am Einsatz:

Feuerwehr Horst: 44 Einsatzkräfte, Feuerwehr Elmshorn: 27 Einsatzkräfte, Feuerwehr Kiebitzreihe: 9 Einsatzkräfte, Feuerwehr Sparrieshoop: 18 Einsatzkräfte, Feuerwehr Itzehoe: 3 Einsatzkräfte.